Überbringer der Seele (Teil 1)


Es fällt mir sehr schwer meine Erlebnisse aufzuschreiben. Und ich bin mir noch gar nicht sicher ob ich jemals diesen Brief abschicken werde. Und zwar weil ich weiß das mir so wie so die meisten Menschen nicht glauben werden. Ich nehme es ihnen persönlich auch gar nicht übel, warum sollten mir auch fremde Menschen glauben wenn es nicht einmal Freunde oder Verwandte tun. Außerdem komme ich mich auch ziemlich blöd vor. Weil, wenn ich nicht Zeugen hätte, also Menschen die einiges mit mir zusammen erlebt hätten, ich würde es selbst nicht glauben. Da ich im Laufe meines Lebens, ich bin jetzt 48 Jahre alt, so viele wundersame Erlebnisse hatte, dass ich leicht ein Buch füllen könnte, so möchte ich die Jahre überspringen und Ihnen direkt über das zweitgrößte Rätsel in mein Leben berichten. Ich bin geboren in Berlin, Mama deutsch, Vater Roma. Die meisten werden jetzt sagen alles gelogen, wer glaubt schon einem Zigeuner, aber ihr solltet weiterlesen und Geduld haben, denn ich schreibe euch nicht für mich sondern für die, die an gar nchts glauben und für die Kranken und Hoffnungslosen, die denken, dass nach dem Tod alles vorbei ist.

Ich möchte mich endschuldigen für die Länge meines Briefes, aber da es mehrere Menschen ihr Schicksal und Lauf des Lebens bis heute beeinflusst, besonders meins und die meines älteren Bruders, danke an alle die bis jetzt durchgehalten haben. Jetzt geht es los! Als ich 12 war, kaufte mein Vater ein Haus in Kleinenbröch, einen alten Bauernhof mit einen Riesengrundstück, das zumeist von uns verpachtet wurde an Bauern, die dort Zuckerrüben oder Korn anpflanzten.

Am Ende des von uns genutzten Grundstücks stand ein großer Kirschbaum, davor ein ca. 1000qm „schlauchförmiger“ Garten, der vor unserem Haus endete, wo wir Gartenmöbel, Grill und so weiter aufgestellt hatten. Und an diesem sonnigen Tag gemeinsam mit meiner Familie, meinem Freund Ralf, meiner Ex Anne, Ex-Schwägerin Claudia, Schwester Lydia und meinem Vater, der durch die Folgen seines 3-jährigen Aufenthalts in Ausschwitz, Bergen, Belsen und Buchenwald körperlich mit 56 schon ein Wrack war, meine Mutter war in der Küche am kochen, so weit ich mich erinnern kann, als plötzlich mein Vater wie von einer Tarantel gestochen aufsprang und mit weit aufgerissenen angsterfüllten Augen voller Entsetzen aufschrie „der Totenvogel, der Totenvogel!“ und mit ausgestrecktem Finger zum Kirschbaum am Ende unseres Gartens zeigte. Wir schauten uns alle um und was ich sah ließ mich vor Angst erstarren. Es kam mir vor, als würde ich ein Wesen sehen aus einer anderen Zeit oder einer anderen Welt. Ein Vogel, den es eigentlich in unserer zivilisierten Welt gar nicht geben darf. Doppelt so groß wie jeder Adler oder Condor es je sein kann. Mit Flügeln, fast so groß wie ein Fußballtor. Er landete zu unser aller Entsetzen genau auf unserem Kirschbaum, der sich unter der Last des Wesens hin und her bewegte, so als würde der Ast bald brechen, und schaute direkt zu uns herunter. Es war so wie in einen Film! Wir waren wirklich alle geschockt, bis mein Bruder Lolo aufsprang um das Gewehr zu holen. Doch bevor er die Patronen aus dem verschlossenen Schrank holen konnte hob der Vogel seine mächtigen Flügel und flog davon. Was soll ich sagen, einige Zeit später ist mein geliebter Vater im Flur zusammengebrochen und im Krankenhaus gestorben. Hört weiter zu!

Meine Schwester Lydia, die den Vogel auch gesehen hatte, hatte zuvor einen Sohn geboren. Ricardo James, der leider durch einen Ärztefehler im Fruchtwasser erstickt war und dadurch schwer geschädigt auf die Welt kam. Meine Schwester Lydia hat immer für das Leben ihres Kindes das Gerichtsverfahren gekämpft, gegen den damaligen Arzt erschien sogar ein Artikel in der in der Qwickzeitung unter dem Titel „Wie viel ist ein Menschenleben wert?“. Wie auch immer, ein paar Monate nachdem mein Vater gestorben war, meine Mutter trug noch schwarz, saßen wir genau wie beim letzten mal draußen in der Gemeinschaft, als dieser unheimliche Vogel wiederkam und sich wie beim ersten mal genau auf den selben Platz setzte und auf uns herabstarrte, so dass ich eine Gänsehaut an meinem ganzen Körper spürte. Lolo probierte wieder sein Gewehr zu holen, doch da man Munition und Waffe gesetzlich trennen muss schaffte er es wieder nicht schnell genug zurückzukommen. Der Vogel verschwand am Horizont. Ich erinnere mich, wie ich mit meiner Ex dem Vogel staunend hinterherschaute. Am nächsten Tag verstarb mein Neffe Ricardo James mit nur 12 Monaten. Zufall? Wartet ab, jetzt wird es spannend.

Zwei oder drei Jahre später, ich war mit meinem fünf Jahre älteren Bruder im Garten und sprengte die Bäume mit Wasser. Bitte glaubt mir, ich schaute in die Luft und dieser Monster Vogel fliegt direkt über uns. Vielleicht 30 bis 40 Meter entfernt. Ich erinnere mich, dass ich ganz ruhig blieb. Der Vogel wirkte wie ein Flugsaurier, der letzte seiner Art. Ich fragte mich, wieso ist der Vogel nicht auch anderen Menschen aufgefallen war. Einen Vogel in dieser Größe! Wenn ich ihn erschießen könnte, das wäre eine Sensation! Als wären meine Gedanken das Stichwort gewesen waren rannte mein Bruder los, so schnell dass ihm die Sandalen von den Füßen flogen. Da stand ich nun mit dem Wasserschlauch in der Hand und schaute staunend zu, wie dieses Wesen wieder auf diesem alten Kirschbaum landete und mich anschaute. In diesem Moment wusste ich, dass das kein normaler Vogel war. Ich hatte komischerweise keine Angst. Ganz im Gegenteil, ich war wütend auf ihn, hatte dieses Wesen mir doch mein geliebten Vater genommen, so dachte ich damals und wünschte mir, dass Lolo dieses mal schnell genug mit dem Gewehr zurückkommt. Und tatsächlich, als ich mich umblickte sah ich ihn kommen. Lolo hatte sich extra für den Fall drei Kugeln zur Seite gelegt, weil er immer bereut hatte, die ersten beiden male nicht schnell genug gewesen zu sein. Ich bewegte mich nicht, aus Angst das Wesen aufzuscheuchen. Ich erinere mich ganz genau wie die Spannung fast unerträglich wurde, als Lolo das Gewehr anlegte, mit dem Zielfernrohr mit Fadenkreuz anpeilte, aber einfach nicht schießen wollte. Ich schrie ihn an, „Lolo schieß!“, aber mein Bruder schoss nicht. Ich schrie erneut, ja fast schon flehend „schieß Lolo, schieß!“, aber wieder nichts. Mir fiel auf, dass er ganz blass aussah, und ich sah wie das Wesen seine Flügel öffnete und losfliegen wollte. Ich schrie erneut, „Lolo gib mir das Gewehr, ich krieg ihn noch!“, aber es war zu spät. Der Vogel flog davon. Ich war so entäuscht und wütend und schrie meinen Bruder an. „Warum hast du nicht geschossen?“, fragte ich ihn. Er legte das Gewehr herunter, schaute mich mit blassem Gesicht an und flüsterte schon fast leise: „Gino, das war kein Vogel. Ich habe ihn ganz nah gesehen durch das Zielfernrohr, es war kein Vogel. Es hatte ein menschliches Gesicht!“.

Ende meines ersten Teils. Wenn ihr denkt, das sei schon alles, dann wartet auf den zweiten Teil. Es ist zwar unglaublich, doch ich schwöre auf alles was mir heilig ist.

Zuschrift von Gino

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